Gesundheit

Pharmaindustrie verteidigt Bundesregierung

Derzeit wird die Bundesregierung wegen der Beschaffung des Impfstoffs ins Visier genommen. Es stehe zu wenig Impfstoff zur Verfügung, zudem gebe es Verzögerungen bei der Lieferung an die Bundesländer, lautet die Kritik. Der Bundesverband der pharmazeutischen Industrie sieht bei der Bundesregierung kein Verschulden. 

Die Bundesregierung bekommt im Streit um die Beschaffung des Corona-Impfstoffs Unterstützung durch die pharmazeutische Industrie. „Die EU und auch die Bundesregierung haben sich nach unserer Kenntnis sehr rechtzeitig mit der Beschaffung von Impfstoffen auseinandergesetzt“, sagte am Montag Hans-Georg Feldmeier, der Vorsitzende des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie. Dabei sei mit allen potenziellen Impfstoffherstellern verhandelt worden, hieß es in der Meldung der Deutschen Presseagentur am Montag.

Die Bundesregierung wird heftig kritisiert, weil es in Deutschland zu wenig Impfstoff gebe und sich darüber hinaus die Lieferung der Vakzine an die Bundesländer verzögert habe. „Was wir jetzt feststellen ist, dass die einzelnen Firmen mit einer unterschiedlichen Entwicklungsgeschwindigkeit zum Erfolg gekommen sind“, sagte der BPI-Chef dazu. „Zum Zeitpunkt der Verhandlungen konnte aber niemand voraussehen, wann welche Firma eine Impfstoffentwicklung erfolgreich abschließt.“ 

Mehr Impfstoff durch größere Verpackungen

Damit mehr Impfstoff bereitgestellt werden könne, schlug Feldmeier größere Verpackungen vor. So könnte die europäische Arzneimittelbehörde EMA pro Behältnis sechs Impfdosen statt der bisherigen fünf zulassen.

Bei den Bestellungen des Impfstoffs konzentrierte sich die EU auf sechs Pharmaunternehmen, von denen angenommen wurde, dass sie ihre jeweiligen Impfstoffe am schnellsten entwickeln würden. „Nun haben wir die Situation, in der weniger Firmen als vorausgesehen die Zulassung haben“, sagte Feldmeier. „Im Nachhinein die Richtigkeit der Bestellstrategie bewerten zu wollen, ist nicht zielführend.“ Feldmeier betonte zudem, dass zum Zeitpunkt der Zulassungserteilung schon sehr viel Impfstoff vorhanden gewesen sei. „Das ist nicht selbstverständlich und bedeutet, dass die Hersteller auf eigenes Risiko bereits vor der Zulassungserteilung mit der Produktion begonnen haben.“

Herausforderung ist nicht nur die Impfstoffproduktion

Der Pharmamanager sieht aber nicht nur in der Produktion des Impfstoffs als solchen eine Herausforderung: „Die Wertschöpfungskette beginnt zum Beispiel mit der Produktion der Fläschchen, geht über die Herstellung von Stopfen und Kappen bis zu speziellen Devices wie Einwegspritzen und Hilfsstoffen und mündet dann in der eigentlichen Impfstoffproduktion.“ Der Einkauf all dieser Materialien und die Produktion seien globale Herausforderungen.

Einen Impfstoffgipfel, wie die SPD ihn vorgeschlagen hat, hält Feldmeier nicht für sinnvoll. „Die akuten Fragestellungen sind nicht politischer, sondern regulatorischer und technologischer Natur. Diese Fragen können nicht auf einem Gipfel mit der Politik beantwortet werden“, so die Mitteilung der dpa.

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