Persönliche Gesundheit

Münchner „Tatort“ zeigt echtes Drogenproblem: So gefährlich sind Pflaster mit Fentanyl

Das Münchner „Tatort“-Team versuchte gestern Abend im ZDF, einem Möchtegern-Drogendealer auf die Schliche zu kommen. Er versuchte, mit Schmerzpflastern der Marke „Tonatin“ zu handeln. Hinter dem fiktiven Namen verbirgt sich die Anspielung auf eine echte Droge: Fentanyl. Sie fordert auch in Deutschland jedes Jahr Todesopfer.

Im ZDF kochte gestern Abend die Filmfigur Mikesch Seifert Schmerzpflaster aus, um den darin enthaltenen Wirkstoff als Droge zu verkaufen. Im „Tatort“ hieß der Pflasterhersteller „Tonatin“, der Wirkstoff blieb ohne Namen. Doch der Bezug zu echten Schmerzpflastern mit Fentanyl ist eindeutig. Sie helfen Menschen mit starken chronischen Schmerzen.

Einmal aufgeklebt, setzen sie den Betäubungsstoff Fentanyl über die Haut ins Blut frei. Er wirkt 100-mal stärker als Morphium. Patienten können ein Pflaster bis zu drei Tage lang tragen, um ihre Schmerzen zu lindern. Seit 1995 sind Fentanyl-Pflaster in Deutschland als Medikament zugelassen. Pflaster mit dem Wirkstoff gibt es gegen Rezept in der Apotheke.

110 Todesfälle in Deutschland 2017

Doch Drogenabhängige missbrauchen die Pflaster, kochen sie aus und spritzen sich den berauschenden Stoff. Oder sie kauen auf den Pflastern herum, um den Wirkstoff zu lösen. Wie hoch die Dosis ist, die ins Blut gelangt, ist dann vollkommen ungewiss.

Zu hoch dosiert macht Fentanyl müde, erschwert das Denken, Sprechen und Laufen und verlangsamt die Atmung im schlimmsten Fall bis zum Stillstand, warnt die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Eine Überdosis Fentanyl kann tödlich sein. 2017 starben in Deutschland 110 Menschen an den Folgen.

Fentanyl ist 50-mal stärker als Heroin

Süchtige nutzen Fentanyl als Ersatz für Heroin. Denn der Stoff ist einfacher zu bekommen, billiger und wirkt 50-mal stärker. Wer dem Arzt starke Schmerzen vorgaukelt, kommt möglicherweise ganz legal an ein Rezept für Fentanyl-Pflaster heran.

Andere suchen im Müll von Krankenhäusern nach alten Pflastern. In denen können auch nach mehreren Tagen noch mehr als 60 Prozent des Wirkstoffs stecken.

Unter der Bezeichnung „China white“ gibt es Fentanyl auch in Reinform auf dem Schwarzmarkt – schon seit den frühen 80er-Jahren. Zur gefährlichen Trenddroge hat sich das Rauschmittel aber erst in den letzten Jahren entwickelt. Die US-Drogenbehörde meldete im Jahr 2014 rund 4500 Fentanyl-Tote. Zwei Jahre zuvor waren es „nur“ etwa 600 gewesen.

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