Gesundheit

Auch ein Jahr nach Pandemiebeginn rätseln Ärzte über gefährliches Syndrom bei Kindern

Schon kurz nach Beginn der Corona-Pandemie machten Ärzte weltweit eine Beobachtung: Kinder und Jugendliche kamen nach überstandener Covid-Infektion mit Problemen ins Krankenhaus. Nun nehmen diese Fälle in den USA zu. Und die Ärzte rätseln noch immer.

Ärzte und Forscher auf der ganzen Welt rätseln noch immer darüber, warum manche Kinder nach einer überstandenen – häufig symptomlosen – Corona-Infektion plötzlich schwer erkranken. Doch klar ist: Diese Fälle gab es nicht nur in der ersten Welle. Noch immer werden Kinder mit dem pädiatrischen entzündlichen Multisystem-Syndrom (englisch abgekürzt MIS-C) in Kliniken eingeliefert. Noch immer sind es sehr wenige – verglichen mit der Gesamtzahl an Corona-Infizierten. Aber: In den USA steigen die Zahlen – und schwere Verläufe werden häufiger.

Das berichtet die "New York Times" unter Berufung auf einzelne Krankenhäuser. "Wir haben mehr dieser Patienten – und ein höherer Prozentsatz von ihnen ist wirklich schwer krank", sagt beispielsweise Roberta DeBiasi, Chefin der Abteilung für Infektionskrankheiten am Children's National Hospital in Washington. Während in der ersten Welle etwa die Hälfte der eingelieferten Kinder auf die Intensivstation kamen, seien es mittlerweile 80 bis 90 Prozent. Auch Jean Ballweg, die in Omaha auf einer Kinderherz-Station arbeitet, macht ähnliche Beobachtungen. Die Zahl der Fälle habe sich stark erhöht. Der Anteil der Kinder, die intensivmedizinische Betreuung brachten, habe sich von 30 auf 60 Prozent verdoppelt.

30 Todesfälle in den USA

Doch was ist multisystemische Inflammation überhaupt? MIS-C tritt häufig mehrere Wochen nach einer Corona-Infektion auf. Entzündungen befallen den Körper der Kinder und Jugendlichen. Die Erkrankten bekommen Fieber, Ausschlag, rote Augen oder Magen-Darm-Probleme. Die Symptome erinnern an das Kawasaki-Syndrom. Und sie können sich ausweiten. Dann befällt die Krankheit das Herz der jungen Patienten. Im schlimmsten Fall können die Kinder sterben. 30 Todesfälle gab es in den USA bislang – bei insgesamt 2060 MIS-C-Erkrankungen.

Warum das Syndrom auftritt? Ärzte und Forscher können es nicht sagen. MIS-C befällt kleine Kinder, aber auch 20-Jährige waren darunter. Das Medianalter liege bei 9 Jahren. Viele der Kinder seien vorher gesund und hatten einen symptomfreien Corona-Verlauf. Es ist also unklar, ob es Veranlagungen gibt, das MIS-C zu entwickeln. Eine US-Studie fand zumindest heraus, dass es Kindern mit Übergewicht und älteren Kindern tendentiell schlechter ergehe.

Mehr Corona-Fälle, mehr MIS-C-Fälle

In den USA sind 69 Prozent der erkrankten Kinder Latinos oder Schwarze. Doch dies hat wenig aussagekraft, da diese Gruppen auch überproportional oft an Covid-19 erkranken. Generell könne der Anstieg der Fälle in der zweiten Welle auch schlicht damit zusammenhängen, dass es insgesamt mehr Corona-Infektionen gebe. Nur die prozentual öfter auftretenden schweren Verläufe seien damit nicht zu erklären.

Auch ein Jahr nach dem Beginn der Pandemie tappen die Forscher also im Dunkeln. Auch über mögliche Spätfolgen für die Kinder ist noch nicht viel bekannt. Laut Bericht der "New York Times" geht es vielen Kindern nach überstandener Krankheit wieder gut. Das betreffe allerdings auch nicht alle.

In Deutschland gab es Stand Oktober 2020 – also vor Beginn der zweiten Welle – insgesamt 61 Fälle der offenbar durch Corona ausgelösten neuartigen Autoimmunerkrankung.

MIS-C ähnelt dem Kawasaki-Syndrom

Bei den ersten Fällen des Syndroms hatten Mediziner auf Ähnlichkeiten mit dem Kawasaki-Syndrom hingewiesen, bei dem insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern Entzündungsreaktionen an Blutgefäßen und mitunter Herzprobleme auftreten. US-Studien bestätigen, dass es Gemeinsamkeiten zwischen MIS-C und Kawasaki gibt. Allerdings leiden unter MIS-C in der Regel ältere Kinder und die Entzündungsreaktionen fallen heftiger aus.

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