Gesundheit

Mein liebes Tagebuch

Es wurde Zeit, nun ist sie da: eine Vereinbarung zwischen einem Großhändler (Gehe) und einer Krankenkasse (AOK NordWest) für ein Modellprojekt Grippeschutzimpfung in Apotheken von Schleswig-Holstein. Tja, so kann’s gehen, wenn Apothekerverbände nicht wollen, können oder was auch immer. Aber unsere ABDA-Präsidentin ist frohen Mutes, dass die Plattform des Deutschen Apothekerverbands – an der noch im Geheimen gewerkelt wird – das rote ‚A‘ der Apotheken in der digitalen Welt sein wird. Und das Thema Masken gibt’s auch in dieser Woche: Der neue Preis ist rechtlich sauber. Und ja, über die FFP2-Maske noch eine Stoffmaske schützt besser. Wer hätte das gedacht?  

8. Februar 2021

Also, Strich drunter: Den neuen von Spahn nach unten korrigierten Preis für FFP2-Masken auf „Berechtigungsschein 2“ müssen wir nolens volens akzeptieren. Statt 6 gibt’s nur noch 3,90 Euro. Klar, man darf durchaus die Frage stellen, ob so eine Kappung des zu erstattenden Preises auch rechtlich möglich ist, immerhin hatte die Verordnung anfangs einen Preis von 6 Euro genannt. Auch die ABDA-Präsidentin Gabriele Overwiening hatte sich empört zu Wort gemeldet und angemahnt, dass es das Vertrauen in die Politik erschüttere, wenn „inmitten der zweiten Phase der Maskenverteilung über eine abrupte Honorarkürzung“ gesprochen werde. Die Apothekerkammer Nordrhein hatte den Rechtsanwalt Morton Douglas gebeten, dieses Vorgehen von Spahn mal zu hinterfragen. Sein Fazit: Ja, für einen Zeitraum, der noch nicht begonnen hat, ist es rechtlich möglich, den Erstattungspreis zu senken. Tja, mein liebes Tagebuch, die angekündigte Preissenkung bezieht sich auf die Zukunft, und außerdem haben sich die Maskenpreise inzwischen deutlich reduziert. Ein sinkender Ertrag sei zwar wirtschaftlich ärgerlich, müsse man aber hinnehmen. Mein liebes Tagebuch, wer hätte jemals gedacht, dass wir uns so mit Masken herumärgern müssen.

 

Im Handelsblatt-Newsletter „Digital Health“ strahlt sie Zuversicht aus, unsere ABDA-Präsidentin  Gabriele Overwiening, Zuversicht, was die digitale Zukunft der Apotheken betrifft samt E-Rezept. Und sie geht sogar davon aus, dass der größte Teil der Apotheken die Chancen erkannt hat und das E-Rezept sogar noch einen Schub bringen wird: Das E-Rezept bringe „weniger Bürokratie, weniger Fehleranfälligkeit und die Möglichkeit, die Patienten unter Nutzung ihres Standortvorteils noch schneller zu versorgen“. Allerdings nennt Overwiening auch ein paar „Wenns“: Die Chancen gebe es nur, wenn z. B. das Makelverbot für Rezepte greift und wenn sich die ausländischen Versender an die Preisbindung für Rx-Arzneimittel in der GKV-Versorgung halten. Mein liebes Tagebuch, genau, das sind die beiden Hauptunsicherheitsfaktoren, die uns in die digitale Welt begleiten. Wenn sich Unternehmen nicht ans Makelverbot halten, Rezepte einsammeln und damit makeln, und wenn EU-Versender, wie sie bereits ankündigten, die Preisbindung ignorieren oder juristisch dagegen vorgehen wollen, dann sieht es mit der digitalen Zukunft leider nicht so rosig aus. Was der ABDA-Präsidentin aber auch am Herzen liegt: das Apothekenportal des Deutschen Apothekerverbands (DAV). Für dieses Portal können sich die Apotheken zwar schon anmelden, aber, wie bei ABDA-Projekten üblich, bleibt vieles noch im Geheimen: Was das DAV-Apothekenportal genau ist und macht, ist noch nicht bekannt. Für die ABDA-Präsidentin ist auf jeden Fall schon klar. „dass wir alle deutschen Apotheken in unsere Plattform integrieren wollen. Wir werden das rote ‚A‘ der Apotheken in der digitalen Welt sein. Ich glaube nicht, dass andere das schaffen.“ Nun ja, mein liebes Tagebuch, ihre Zuversicht ist erfrischend. Allerdings, schaut man sich im Markt ein wenig um, stellt man fest, dass auch andere Kooperationen und Partnerschaften hübsche Töchter  haben – in Form von Plattformen, und auf einer dieser Plattformen tummeln sich bereits Tausende von Apothekers. Da wird es der DAV mit seiner Plattform nicht leicht haben, zu überzeugen und abzuwerben. Gut möglich, dass sich schlussendlich nicht wenige Apotheken gleich mehreren Plattformen anschließen – und am Ende könnte dann alles auf nur eine gemeinsame Plattform hinauslaufen – aber die muss nicht zwingend DAV heißen.

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